Asthma
Asthma behandeln, Symptome erkennen, Ursachen verstehen und gut damit leben
Wenn die Luft knapp wird, die Brust eng und jeder Atemzug zur Anstrengung, dann macht das Angst. Asthma bronchiale, kurz Asthma, gehört zu den häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen in Deutschland. Die gute Nachricht: Es gibt heute sehr gute Asthma-Behandlung. Mit der richtigen Therapie führen die meisten Betroffenen ein weitgehend beschwerdefreies und aktives Leben. Auf dieser Seite finden Sie das Krankheitsbild Asthma verständlich erklärt: Sie erfahren, woran Sie Asthma erkennen, wie es entsteht, wie wir es feststellen und welche Behandlung bei Asthma es gibt.
Wie kann man Asthma behandeln und was ist es?
Asthma ist eine chronische, also dauerhafte Entzündung der Atemwege. Bei Betroffenen sind die Bronchien, das sind die verzweigten Luftwege in der Lunge, dauerhaft gereizt und überempfindlich. Sie reagieren schon auf Reize, die einer gesunden Lunge nichts anhaben, zum Beispiel auf Pollen, kalte Luft oder körperliche Anstrengung.
Bei einem Asthmaanfall passieren drei Dinge gleichzeitig: Die Muskeln rund um die Bronchien ziehen sich zusammen, die Schleimhaut schwillt an und es bildet sich zäher Schleim. Die Atemwege verengen sich, das Ausatmen fällt schwer. Diese Verengung ist bei Asthma typischerweise variabel, das heißt, sie kommt und geht und lässt sich mit der richtigen Asthma-Behandlung in vielen Fällen wieder lösen. Dazu gibt es verschiedene Optionen.
Genau das unterscheidet Asthma von der COPD, bei der die Verengung dauerhaft bestehen bleibt.
Welche Formen von Asthma gibt es?
Asthma ist nicht gleich Asthma. Für die Behandlung ist es wichtig zu wissen, welche Form vorliegt.
Allergisches Asthma
Die häufigste Form, vor allem bei Kindern und jüngeren Erwachsenen. Hier reagiert das Immunsystem überschießend auf eigentlich harmlose Stoffe, sogenannte Allergene. Typische Auslöser sind Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilzsporen. Oft besteht gleichzeitig ein Heuschnupfen.
Die Symptome bei allergischem Asthma treten häufig saisonal oder in bestimmten Situationen auf, etwa Atemnot, Husten und ein pfeifendes Atmen, wenn die Pollen fliegen oder Sie Kontakt mit einer Katze hatten. Die gute Nachricht: Gerade allergisches Asthma lässt sich heute sehr gut behandeln. Die Behandlung dieses Asthmas reicht vom konsequenten Meiden der Allergene über Medikamente bis hin zur Hyposensibilisierung, bei der das Immunsystem schrittweise an den Auslöser gewöhnt wird.
Nicht-allergisches Asthma
Diese Form tritt häufiger im Erwachsenenalter auf. Auslöser sind hier keine Allergene, sondern zum Beispiel Atemwegsinfekte, kalte Luft, Zigarettenrauch, Stress oder bestimmte Medikamente.
Misch- und Sonderformen
Viele Menschen haben eine Mischform aus beidem. Daneben gibt es Sonderformen wie das Belastungsasthma, bei dem die Beschwerden vor allem bei körperlicher Anstrengung auftreten, oder schweres Asthma, das trotz hoher Medikamentendosis schwer zu kontrollieren ist. Gerade für diese komplexen Fälle gibt es heute sehr wirksame, moderne Therapien.
Asthma-Symptome und Anzeichen Woran Sie die Erkrankung erkennen
Die Beschwerden treten meist anfallsartig auf und sind oft nachts oder in den frühen Morgenstunden besonders stark. Typische Anzeichen sind:
- Atemnot und ein Gefühl der Luftknappheit, vor allem beim Ausatmen
- Ein pfeifendes oder brummendes Atemgeräusch, fachlich Giemen genannt
- Ein Engegefühl oder Druck in der Brust
- Festsitzender, zäher Schleim, der sich schwer abhusten lässt
Wichtig: Die Beschwerden können schwanken. An manchen Tagen merken Sie kaum etwas, an anderen sind sie deutlich. Suchen Sie ärztlichen Rat, wenn solche Symptome wiederholt auftreten. Bei akuter, schwerer Atemnot, die sich trotz Notfallspray nicht bessert, wählen Sie bitte sofort den Notruf 112.
Ursachen und Risikofaktoren
Warum ein Mensch Asthma entwickelt und ein anderer nicht, ist noch nicht vollständig geklärt. Sicher ist: Meist spielen mehrere Faktoren zusammen.
- Veranlagung: Asthma und Allergien treten oft familiär gehäuft auf. Eine erbliche Neigung erhöht das Risiko.
- Allergien: Wer zu Allergien neigt, entwickelt häufiger ein allergisches Asthma.
- Umwelt und Beruf: Tabakrauch, Luftverschmutzung und bestimmte Stoffe am Arbeitsplatz, etwa Mehlstaub oder Chemikalien, können Asthma begünstigen oder verstärken.
- Atemwegsinfekte: Häufige Infekte, gerade in der Kindheit, können eine Rolle spielen.
Daneben gibt es Auslöser, die einen Anfall hervorrufen, ohne die eigentliche Ursache zu sein, zum Beispiel kalte Luft, körperliche Anstrengung, Stress oder starke Gerüche.
Diagnose: Wie wird Asthma festgestellt?
Eine sichere Diagnose ist die Grundlage jeder guten Asthma-Behandlung. Keine Sorge: Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und gut verträglich. Wir gehen Schritt für Schritt vor.
- Anamnese: Zuerst sprechen wir ausführlich mit Ihnen über Ihre Beschwerden, wann sie auftreten und ob es mögliche Auslöser gibt.
- Lungenfunktionstest (Spirometrie): Sie atmen über ein Mundstück in ein Gerät. So messen wir, wie viel Luft Sie ein- und ausatmen können und ob die Atemwege verengt sind.
- Bronchospasmolyse-Test: Nach einem bronchienerweiternden Spray messen wir erneut. Bessert sich die Atmung deutlich, spricht das für Asthma, denn die Verengung ist ja umkehrbar.
- Provokationstest: Sind die Werte unauffällig, der Verdacht aber bleibt, prüfen wir gezielt, wie empfindlich Ihre Atemwege reagieren.
- FeNO-Messung: Über die Atemluft messen wir das Stickstoffmonoxid. Ein erhöhter Wert weist auf eine Entzündung in den Atemwegen hin.
- Allergietests und Labor: Bei Verdacht auf allergisches Asthma klären wir ab, auf welche Allergene Sie reagieren.
Asthma-Behandlung: So lässt es sich kontrollieren
Asthma lässt sich heute in den allermeisten Fällen sehr gut behandeln. Das Ziel ist nicht nur, akute Anfälle zu lindern, sondern Ihre Atemwege dauerhaft zu beruhigen, damit Sie möglichst beschwerdefrei leben. Die Therapie ist immer individuell und richtet sich nach Form und Schweregrad.
Medikamente
Bei der medikamentösen Behandlung von Asthma unterscheidet man zwei Gruppen, meist als Spray zum Inhalieren:
- Langzeit-Medikamente (Controller): Sie wirken der Entzündung dauerhaft entgegen. Wichtigster Baustein sind inhalative Kortikosteroide, also entzündungshemmendes Kortison zum Inhalieren. Sie werden regelmäßig angewendet, auch wenn es Ihnen gut geht.
- Bedarfs-Medikamente (Reliever): Sie erweitern die Bronchien schnell und helfen akut bei Atemnot.
Die Behandlung bei Asthma folgt einer Stufentherapie: Je nachdem, wie gut Ihr Asthma kontrolliert ist, wird die Therapie angepasst, also verstärkt oder wieder reduziert. Bei schwerem Asthma stehen heute moderne Biologika zur Verfügung. Das sind gezielte Wirkstoffe, die genau an den Botenstoffen der Entzündung ansetzen und vielen Betroffenen helfen, für die früher kaum etwas wirkte.
Was Sie selbst tun können
Neben den Medikamenten zählt das Drumherum: bekannte Auslöser meiden, auf das Rauchen verzichten, sich trotz Asthma regelmäßig bewegen und an einer Asthma-Schulung teilnehmen. In einer solchen Schulung lernen Sie, Ihre Werte selbst im Blick zu behalten und im Notfall richtig zu reagieren. So gewinnen Sie ein gutes Stück Sicherheit und Selbstbestimmung zurück.
- Sauerstofftherapie: Ist der Sauerstoffgehalt im Blut zu niedrig, kann zusätzlicher Sauerstoff die Belastbarkeit und Lebensqualität verbessern.
- Atemtherapie und Rehabilitation: In der pneumologischen Reha und mit gezieltem Atemtraining stärken Sie Ihre Atemmuskulatur und lernen, mit der Atemnot besser umzugehen.
- Auslöser meiden und Impfungen: Bei den sekundären Formen ist es wichtig, den auslösenden Stoff konsequent zu meiden. Impfungen schützen vor Infekten, die die Lunge zusätzlich belasten würden.
- Lungentransplantation: Bei einem schweren, weit fortgeschrittenen Verlauf kann eine Lungentransplantation infrage kommen. Ob sie eine Option ist, prüfen wir sehr sorgfältig und individuell.
Verlauf, Prognose und Leben mit Asthma
Asthma ist bislang nicht heilbar, aber es lässt sich sehr gut kontrollieren. Mit einer konsequenten Behandlung haben die meisten Menschen kaum Einschränkungen im Alltag. Sie können Sport treiben, reisen und arbeiten wie andere auch. Viele Kinder mit allergischem Asthma haben später sogar deutlich weniger oder gar keine Beschwerden mehr.
Entscheidend ist, dass Sie am Ball bleiben: die Medikamente wie besprochen anwenden, auch in beschwerdefreien Zeiten, und die Kontrolltermine wahrnehmen. Asthma ist ein Begleiter, mit dem sich gut leben lässt, wenn man ihn versteht und ernst nimmt. Genau dabei unterstützen wir Sie.
Ihr Weg zu uns in die Ruhrlandklinik
Sie haben den Verdacht, an Asthma zu leiden, oder Ihre Beschwerden sind trotz Behandlung nicht im Griff? Dann lassen Sie uns gemeinsam schauen, was dahintersteckt. So gehen Sie am besten vor:
- Wenden Sie sich an Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin. Bei Bedarf erhalten Sie eine Überweisung an die Pneumologie, die Fachrichtung für Lungenheilkunde.
- Vereinbaren Sie einen Termin in unserer Klinik für Pneumologie. Als Teil des Westdeutschen Lungenzentrums der Universitätsmedizin Essen sind wir auf Atemwegserkrankungen spezialisiert und begleiten Sie von der Diagnose bis zur passenden Therapie.
Sie müssen den Weg nicht allein gehen. Melden Sie sich bei uns, wir nehmen uns Zeit für Sie und Ihre Gesundheit.
Häufige Fragen zu Asthma (FAQ)
Was sind die ersten Anzeichen von Asthma?
Erste Anzeichen von Asthma sind oft unspezifisch und werden leicht übersehen: ein hartnäckiger, meist trockener Husten besonders nachts, ein leises Pfeifen beim Ausatmen, Kurzatmigkeit bei Belastung oder ein wiederkehrendes Engegefühl in der Brust. Häufig zeigen sich die Anzeichen zunächst nur in bestimmten Situationen, etwa bei Erkältungen, bei körperlicher Anstrengung oder im Kontakt mit Allergenen. Wenn solche Anzeichen wiederholt auftreten, sollten Sie sie ärztlich abklären lassen. Denn je früher Asthma erkannt wird, desto besser lässt es sich von Anfang an kontrollieren.
Ist Asthma heilbar?
Asthma ist nach heutigem Stand nicht heilbar, denn die zugrunde liegende Überempfindlichkeit der Atemwege bleibt bestehen. Sehr gut behandelbar ist es aber fast immer. Mit einer konsequenten Asthma-Behandlung sind die meisten Betroffenen weitgehend beschwerdefrei und im Alltag kaum eingeschränkt. Bei Kindern verschwinden die Beschwerden mit dem Wachstum manchmal sogar ganz.
Wie unterscheidet sich Asthma von COPD?
Beide verengen die Atemwege, aber unterschiedlich. Bei Asthma ist die Verengung variabel und oft umkehrbar, sie kommt und geht. Bei der COPD ist sie dauerhaft. Asthma beginnt zudem häufig im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter und ist oft mit Allergien verbunden. Die COPD entsteht meist später, typischerweise nach langjährigem Rauchen.
Kann ich mit Asthma Sport treiben?
Ja, und das ist sogar ausdrücklich erwünscht. Regelmäßige Bewegung stärkt Herz, Lunge und Atemmuskulatur und kann Beschwerden langfristig verringern. Wichtig ist ein gut eingestelltes Asthma. Bei Belastungsasthma hilft es oft, sich vor dem Sport aufzuwärmen und das Bedarfsspray bereitzuhalten. Besprechen Sie die für Sie passende Vorbereitung mit Ihrem Behandlungsteam.
Was tun bei einem akuten Asthmaanfall?
Bewahren Sie nach Möglichkeit Ruhe und nutzen Sie Ihr Bedarfsspray so, wie es mit Ihnen besprochen wurde. Eine atemerleichternde Haltung wie der Kutschersitz oder die Lippenbremse kann helfen, leichter auszuatmen. Bessert sich die Atemnot nicht oder verschlimmert sie sich, zögern Sie nicht und wählen Sie sofort den Notruf 112.
Kann sich Asthma erst im Erwachsenenalter entwickeln?
Ja. Auch wenn Asthma oft im Kindesalter beginnt, kann es in jedem Lebensalter neu auftreten. Beim sogenannten Adult-Onset-Asthma ist der Auslöser häufiger nicht-allergisch, etwa Atemwegsinfekte, Reizstoffe am Arbeitsplatz oder hormonelle Veränderungen. Wenn bei Ihnen als Erwachsener neu Atemnot oder anhaltender Husten auftritt, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.
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